Im Warenkorb bearbeiten:0 Artikel, 0,00 € bearbeiten / updatebestellen / order 
 
Aberglaube und Zauberei in der Volksmedizin

von Carly Seifarth

Leseprobe aus dem Kapitel "Der Alb"
Eine dieser Krankheiten verursachenden Gestalten, die sich von urgermanischen bis auf den heutigen Tag erhalten haben, ist das in Sachsen, unter dem Namen Alp, Mure, Mahre, Nachtmahre, allgemeine bernatrliche Wesen. Auch unter dem Namen Truht, Trude, Drude, erscheint es in unserem Vaterlande, als Schrettel im Frnkischen Hochland und als Bodsmrte im Altenburgischen.
Diese verschiedenen Namen sind lokale Bezeichnungen, ein und desselben dmonischen Wesen, welches im Volksglauben als Druckgeist auftritt, und diese als Albdrcken und Atembeschwerden auslsenden Bengstigungen im Schlafe verursacht. Es setzt, hockt und legt sich, zumeist in der Nacht, dem schlafenden Menschen auf die Brust, drckt und qult ihn frchterlich, presst ihm die Kehle zusammen, so dass er chzend und sthnend kaum Atem zu holen vermag und zu ersticken meint.
Die Erklrung des natrlichen Hintergrundes dieses Krankheitsdmonen und aller folgenden aus ihm hervorgegangenen, mythischen Gebilden, die gleiche oder hnliche Beschwerden verursachen, aus den vorgenannten Albtrumen, ist bereits erwhnt worden. Es ist sehr einleuchtend, dass die Erscheinungen des Albdrckens einen so mchtigen Eindruck auf den Menschen zurcklieen und sich diesem mit so deutlicher Greifbarkeit vor die Augen stellten, dass er glauben musste, diese Traumbilder seien wirkliche Gestalten. "Aus der Erinnerung an den oft wiederholten Zustand entwuchs dann der Aberglaube und aus diesem ging die reiche Albsagebildung hervor."
So knnen wir bei unseren heimischen Albsagen zwei Formen unterscheiden, analog bei den zweierlei Albtrumen, die Hfler anfhrt: Wir haben erstens den Albunlusttraum, aus dem die Atemnot, Beklemmung, Schrecken und Angst verursachenden Gestalten hervorgegangen sind, und zweitens den Alblusttraum bei dem der Druckgeist Lustempfindungen und Pollutionen verursacht und als minnendes (aufreizendes) mnnliches oder weibliches Wesen empfunden wird.
Der letzte, der erotische Albtraum, erklrt, dass die Marengestalten in der Volksmeinung oft das uere nackter Frauen, schner Mdchen haben und andererseits in Gestalt von Soldaten, Knechten und Vergleichbarem erscheinen. In einer solchen Form, in der Gestalt einer weien Frau, die sich auf die im Bett Liegenden legt und sie drckt, tritt der Alb in Lumwitz bei Dresden auf. Whrend eine andere Sage besagt, dass einem Mdchen in Leipzig-Plagwitz, das oft von Albdrcken geplagt wurde, der Alb als Soldat, und zwar in Uniform erschien.
Der Druckgeist im Albunlusttraum erscheint bald in menschlicher bald in tierischer Form. So zeigt sich der Alp in Sachsen auch als altes Weib, als mnnliches Ungeheuer und selbst in Gestalt einer Katze, Iltis oder Fuchs, ebenso in Gestalt eines Marders ist er gesehen worden.
Ja, sogar in leblosen Gegenstnden glauben die Leute, wie aus unseren heimischen Sagen hervorgeht, die sie qulenden Albwesen zu erkennen, und zwar fast ausschlielich in solchen Dingen, die die Lagersttte in Albtrumen bilden, zum Beispiel Bettfedern, Strohhalme, Flaumfedern, Getreidehren und Reiser.
Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere werden vom Alb heimgesucht. Diese Schwitzen und Schnauben dann des Nachts und sind am Morgen ganz mit Schaum bedeckt. Kleinere Tiere drckt der Alb tot. Wenn man nmlich junge Gnse in einen Schweinestall steckt und sie sterben, so sagen die schsischen Bauern, der Alb habe sie erdrckt. Sterben die Kaninchen, und sie sehen dann breitgedrckt aus, so legt man einen Besen in den Stall, dann verliert der Alb die Macht.

An den meisten uns heute im Volk entgegentretenden Mahr- und Albberichten sehen wir jedoch, dass die Rolle der germanischen Druckgeister von den, alle Wahngestalten der primitiven Welt vererbenden Hexen bernommen worden ist. Das Albdrcken und alle seine Erscheinungen wird diesen oder anderen dmonischen Menschen zur Last gelegt, was beilufig erwhnt bereits in heidnischer Zeit auf animistischer und vor allem auf pranimistischer Stufe der Kultur geschah. Es gibt daher nach dem heutigen Volksglauben Leute, die aus Bosheit gegen andere, aus angeborenem Drang nachts in irgendeiner Verwandlung albdrcken, "alben" gehen. In erster Linie nimmt man das in Sachsen von Personen an, deren Augenbrauen zusammengewachsen sind. Doch sind auch Menschen mit "kleinen Augen" verdchtig. Man erzhlt ferner, dass die zuerst Genannten einem anderen, auf den sie Zorn oder Hass haben, den Alb mit bloen Gedanken zuschicken knnen. Im stlichen Erzgebirge meint man vom Alb, dass er ein Mensch sei, der in der "Scheechezeit" (Scheuchzeit, Gespensterstunde) geboren wurde und die Macht habe, unsichtbar umherzuwandeln und sich den Leuten auf die Brust zu setzen. Er kommt durchs Schlsselloch und wchst dann, wenn er im Zimmer ist, immer grer und grer. Er steigt, wie sie glauben, stets ber den Kopf des Schlafenden ins Bett hinein. Wollen sie sich dann aber schnell umdrehen, so ist es schon zu spt. Sie hren den Alb zuweilen, aber sie sehen ihn nie.

brigens kann jemand auch freiwillig Albdrcker werden. Er braucht nur nicht an Gott zu denken, dann kann er "alben" gehen. In der Regel tut er dies nicht in seiner menschlichen Gestalt. Es wird vielmehr geglaubt, dass sein Geist, seine Seele den Krper verlsst und irgendeine Hlle annimmt, zumeist die einer Maus, eines Strohhalmes oder einer Stecknadel. In dieser Gestalt schlpft er durchs Schlsselloch und setzt sich dem Schlafenden auf Brust und Kehle, um ihm die Atmungsorgane bis zum Ersticken zusammenzupressen, so dass der Gemarterte weder atmen noch schreien kann.

Verstopft man das Schlsselloch, so kann man den Alb loswerden, ja sogar fangen.
Man hat dann eine Stecknadel, einen Strohhalm oder einen Bettzipfel in der Hand. Noch viele andere Mittel kennt das Volk, um sich von den nchtlichen asthmatischen Beschwerden, von den Erscheinungen der Atemnot, der Brustbeklemmung, die es alle durch die Ttigkeit des Albs zu erklren versucht, zu befreien. Wer an derartigen beln leidet ...


druckerfreundliche Version 
  © 2006,2007 Bohmeier Verlag Schaffen Sie sich Ihre eigene Realit�t... www.magick-pur.de AGB  |  Impressum  |  Kontakt