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Der Duell-Codex und der Ehrenkodex
oder Regeln für Duellanten und Sekundanten im Duellieren
von Gustav Hergsell

Der Duell-Codex - Aus der Einleitung:
Der Zweikampf steht auerhalb des Gesetzes, keine seiner Regeln kann den Charakter der Legalitt in der gewhnlichen Auffassung dieses Wortes beanspruchen. Dennoch zgern wir nicht, jene Regeln als "Duellcodex" zu bezeichnen.
Wenn es wahr ist, was tatschlich von allen zivilisierten Vlkern zu Recht besttigt wird, dass die Ehre ebenso unantastbar ist wie die Gesetze an sich, so sind die Vorschriften ber die zum Schutz der gekrnkten Ehre zu beobachtenden Vorgnge von keinem geringeren Ansehen als jene Gesetze.
Der Grund, dass die staatlichen Gesetze den Zweikampf auerhalb ihres Rahmens verweisen, liegt in der Unzulssigkeit der Selbsthilfe. An deren Stelle ist in einem geordneten Gemeinwesen die staatliche Hilfe gesetzt, damit der Schwache von dem Starken kein Unrecht erdulden muss.
Allein ganz abgesehen davon, dass die Selbsthilfe nicht berall verwerflich ist, wie uns die Zulssigkeit der Notwehr und des Besitzschutzes bezeugen, ist nicht zu bersehen, dass Mnnern mit hoch entwickeltem Ehrgefhl berzeugt sind, dass ihnen die Gesetze bisweilen nicht ausreichenden Schutz gegen Unbilden gewhren, welches ihnen selbst oder ihnen nahe stehenden Personen widerfhrt.
Von diesem Standpunkt erscheint daher das Duell weder anormal, noch unverstndlich, noch unmoralisch.
"Jeder," sagt uns Graf Chatauvillard, "ist der herben Notwendigkeit unterworfen, sein Leben zu wagen, um wegen einer Beleidigung oder Beschimpfung Rechenschaft zu verlangen."
Die Sache ist daher nach der Meinung desselben Autors im menschlichen Leben wichtig genug, um schon im Vorhinein nach Unparteilichkeit und Ehrgefhl geordnet zu werden, zumal es tglich neue Flle gibt, die das Bedrfnis danach erweisen.
So werden diese Regeln zum Schutz fr alle, als Schranken gegen berfall und Rachsucht, und sie knnen auch als eine Frucht der Kultur und ritterlicher Gesittung angesehen werden, welche die Feststellung derselben als begrndet erscheinen lsst.
Diese Vorschriften haben sich aus der Tradition, dem Gebrauch und aus der berzeugung gleichgesinnter Kreise, dass Duelle notwendig sind, herausgebildet, beruhen also auf denselben rechtserzeugenden Grundlagen wie das Gewohnheitsrecht.
Einzig und allein in diesem eingeschrnkten Sinne betrachtet man jene Duellarten, die den herkmmlichen Vorschriften entsprechen, als legal. Wird hier-von auch nur in einzelnen Punkten abgewichen, so steht das Duell auch auerhalb der Tradition und heit Ausnahmeduell (exzeptionelles Duell).
Graf Chatauvillard, Mitglied des Pariser Jockey-Club, hat in Folge einer an ihn gerichteten Aufforderung im Vereine der weiteren Mitglieder General Graf Excelmans, Grafen du Hallay-Cotquen General Baron Gourgaud, Brivois und des Vicomte de Contades sich der Aufgabe unterzogen, die Gebruche und Vorschriften des Duells zu fixieren, die unter dem Titel "Essai sur le duel" im Jahre 1836 in Paris erschienen.
Dieses Werk wurde nicht nur in Paris von der ffentlichen Meinung lebhaft begrt, jene Vorschriften haben sich auch bald auerhalb Frankreichs Geltung verschafft, da sie durch die Signatur herausragenden Mitglieder der Pariser Gesellschaft sanktioniert wurden.
berzeugt, dass es von allgemeinem Interesse sein drfte, die Namen dieser Mitarbeiter kennen zu lernen, wollen wir dieselben anfhren.
Die Unterschrift wurde mit folgenden Worten eingeleitet:
"Innig berzeugt, dass die Intentionen des Verfassers, weit entfernt die Duelle zu protegieren, im Gegenteil dahin streben, ihre Zahl zu vermindern, sie zu regeln und ihren verderblichen Charakter zu verringern, geben die Unterzeichneten den in diesem Werke aufgestellten und auseinandergesetzten Vorschriften ihre volle Genehmigung."


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